Einmal durch Yunnan

Ich habe die Zeit des Februars mit Reisen (Nele und Sascha an meiner Seite) verbracht. Unsere Reise begann kurz nach bzw. während des Frühlingsfests mit viel Essen und einer abenteuerlichen Wanderung durch Zhenyuan’s Wälder. Nachdem wir ein paar Tage im Dorf eines befreundeten Lehrers verbracht haben und die restlichen Tage des Frühlingsfestes dort ausklingen liessen, machen wir uns auf den Weg nach Dali.

Müde von den holperigen Straßen landen wir in unserem Hostel, und haben wohl unseren ersten bewussten momentanen Kulturschock! So viele Ausländer, so viel Englisch, so viel westliches Essen haben wir seit einer Ewigkeit nicht mehr erlebt. Zum Glück haben wir jedoch am nächsten Morgen unsere gewohnte Nudelsuppe an einem Straßenladen bestellen können.

Dali’s Innenstadt ist eine sehr belebter und hübscher Ort, jedoch sehr touristisch geprägt. Ich frage mich wie ausgestorben all diese Orte sind, wenn gerade nicht Touristenzeit ist – oder reisen Chinesen das ganze Jahr lang – oder kommen so viele Ausländer dahin?

Obwohl es doch vor Ausländern zu wimmeln scheint kommt man nicht um das ein oder andere “Can I take a picture with you?” herum. In Dali gibt es die drei sehr bekannten Pagoden, die wir selbstverständlich liebevoll fotografieren und bestaunen, aber auch die Tempel die über und unter den Pagoden liegen sind mehr als bewundernswert. Während unserer Wanderung auf einen schnuckeligen Berg hinauf, besteigen wir nicht nur ca. 3000 Stufen, sondern legen auch 24km hinter uns, es gibt kaum eine schönere Art und Weise die atemberaubende Natur dort wahrzunehmen. Nicht nur die Berge sondern auch das Wasser lockt uns, und wir sind überaus glücklich, endlich wieder auf einem Boot stehen zu dürfen. Angekommen an einer kleinen Insel mitten auf dem Ohr See, laufen wir dort durch die kleinen Gassen und geniessen getrockneten Fisch. 

Nach ein paar Tagen und vielen alten und neuen Bekanntschaften reisen wir weiter nach Lijiang. Dort wohnen wir in einem schnuckeligem kleinen Hostel, dass einen fast an eine Ferienwohnung mit liebevollster Einrichtung und herzzerreissenden Hunden erinnert. Lijiang’s Altstadt hat mich nicht so begeistert, zum einen muss man sehr viel Eintritt zahlen um herein zu kommen und um die einzelnen Sehenswürdigkeiten zu sehen, muss man wieder zahlen. Eine halbe Stunde mit dem Bus entfernt gibt es jedoch eine weitere Altstadt in einem kleinen Dorf, diese ist sehr liebevoll und traditionell gestaltet. Dort hat man ab und an noch den Eindruck, dass nicht alles rein auf Tourismus ausgelegt ist.

 

Von Lijiang aus wandern wir durch die Tigersprungschlucht, wieder einmal lernen wir viele Ausländer kennen und sind von ihrem Verhalten fast überfordert. Aber auch die Wanderung an sich war herausfordernd, 2 Tage lang sind wir die Schlucht entlang gewandert/gestiegen, und haben es am Ende sogar bis unten an den Fluss geschafft. Die Wassermassen in so einem schönen Türkis Grün sind wirklich faszinierend.

In Shangri-la, unsere nächste Station, merkt man die dünne Luft schon deutlich. Wir sind überaus begeistert von Buttertee, nicht nur weil er einen von Höhenkranktheiten schützen soll, sondern auch weil er einen unglaublich satt macht und lecker ist. Wir waren nicht nur bei der größten Gebetsmühle, bei einem Hühnchen Berg auf dem ein Tempel steht sondern auch in der Songzanlin Monastry. Es ist eine riesige Anlage mit unglaublich vielen Gebetshäusern und Tempeln.

 

Unsere letzte Station über öffentliche Verkehrsmittel ist der Feilai Tempel in der Nähe von Deqen. Dort versuchen wir den Sonnenaufgang über dem Meilixueshan zu begutachten, dieser ist jedoch von Schnee und Wolken etwas versteckt.

Wie auch immer, von dort machen wir uns auf eine Wandertour in ein weiteres winziges Dorf. Irgendwie haben wir es geschafft in einer chinesischen Reisegruppe zu landen und geniessen unsere letzten Tage mit chinesischer Begleitung.
Besonders faszinierend fandich die Wanderung zu dem Eissee, der einige km von diesem Dorf entfernt liegt. Nele und ich waren den Rest unserer Gruppe ein ziemliches Stück voraus bis uns plötzlich auffällt wie still es eigentlich ist. Wenn man stehen bleibt und nicht gerade ausser Atem ist, weil die Luft so dünn ist, hört man nicht, also wirklich nichts mehr. Die leichte Schnee Decke auf dem Boden und die riesigen Berge um einen herum haben alles was es zu hören hätte geben können vollkommen verschluckt. Fast eine Schande weiter zu laufen und die magische Stille zu zerstören.    

Eine Fahrradtour nach 宁洱,und ein frohes neues Jahr! 

Zuerst einmal wünsche ich euch 新年快乐!Und das eure Wünsche für das neue in Erfüllung gehen! 

Sascha und ich haben das neue Jahr mit einer Fahhradtour eingeweiht! 

Wir beide sind heute mit unseren Rädern in die knapp 60km entfernte Nachbarstadt gefahren.

Nachdem wir einmal komplett durch unsere Stadt gegurkt sind, haben wir unseren kleinen Winzweg der uns 2/3 der Strecke begleiten sollte endlich gefunden! 

Etwas beleidigt von der genialen Qualität, haben wir schon nach kürzester Zeit eine Pause eingelegt, um Haselnüsse zu sammeln, oder uns von Berg auszuruhen – je nachdem wie man es sieht. Nach ca einer Dreiviertelstunde geht es dann endlich nicht mehr Bergauf! Und wir genießen es trotz sehr kurviger Strecke endlich Berg ab fahren zu können! 

Natürlich halte ich Sascha ständig auf, weil ich Bilder machen will… lange hält die Freude der extrem glatten Straße und des Berg ab Fahrens jedoch nicht an. Schon bald geht es wieder bergauf… und wenn man sagt es geht bergauf dann ist da nicht mal eben ein kleiner Berg – man braucht ca. 1 Stund um mal endlich nicht bergauf fahren zu müssen, dann geht es kurz gerade weiter, und dann darf man noch einmal ne halbe Stunde bergauf fahren. Ich muss zugeben wir haben die ein oder andere Foto oder Wasser Pause gemacht, aber eigentlich sind wir ziemlich durchgängig gefahren. 

Nachdem wir ein kleines bisschen dann wieder Berg abfahren durften (die Straße war nun endlich ein wenig mehr so rustikal wie wir sie erwartet hatten) trafen wir auf einen hübschen Baum. Die Chance haben wir dann auch genutzt um unsere Mittagspause zu machen. 

Das Bild hier drüber war unsere Aussicht, während wir im Tee saßen und Reisnudeln, selbstgemachte Kekse, Baguette und deutschen Käse gemaufelt haben.

Stellt euch vor danach sind wir bestimmt 30 min lang einfach nur runter gefahren!! Es ging ziemlich steil Bergab, aber die Straße wurde Stück für Stück immer schlechter und wir haben so einige Vollbremsungen hingelegt um nicht in Riesen Schlaglöcher zu fallen oder doch noch paar hübsche Bilder machen zu können! 


Aber wie kann es auch anders sein, auch das bergabfahren hat ein Ende… wir stoßen auf die “normale” Straße die uns das letzte Drittel bescheren sollte. 

Ich kann stolz sagen, wir sind dann noch einmal eine Stunde bergauf gefahren! Dieser Berg hat sich jedoch angefühlt wie selbstmord, es ging einfach nur gerade aus steil nach oben… und das endlos, während rechts von einem ein Graben lag und links von einem große LKWs an einem vorbeigepräscht sind und Motoroller einen angehupt und ausgelacht haben. Aber ein jeder Berg hat ja ein Ende (auch wenn man zwischendurch nicht immer das Gefühl hat), somit durften wir auch diesen wieder hinunter fahren! Am Fuße des Berges treffen wir dann auf ein paar Kühe…

Endlich sind wir dann auch in Ning’er angekommen. 

Wir freuen uns schon auf eine abenteuerliche Rückreise morgen, dann probieren wir mal eine andere Strecke aus. Wer weiß wie viele Berge uns dort begegnen! 

Weihnachten in Pu’er

Jetzt, so ein paar Tage nach Weihnachten kann ich stolz sagen, unser Weihnachtsmarkt war ein riesen Erfolg!

Insgesamt wurden über 1300 Geschenke abgegeben, und dementsprechend hatten wir nicht nur die Besitzer dieser Geschenke sondern noch mehr Besucher.

Morgens um 8:30 ging der ganze Spaß mit dem Aufbau los, wenn man sich vorstellt einen ganzen Weihnachtsmarkt innerhalb von ein paar Stunden aufbauen zu müssen, dann könnte es schon sein, dass ein leichtes Gefühl der Überforderung auf einen zu kommt. Aber mit den bestimmt 100 hoch motivierten Schülern, waren unsere 18 Zelte, 30 Tische und noch viel mehr Stühle, 4 Weihnachts”bäume”, 10 Lichterketten, und unendlich viel Schnick Schnack, und natürlich die 1300 Geschenke innerhalb von locker 3 Stunden aufgebaut. Also sind wir dann ziemlich früh in die Mittagspause gegangen, noch ein Mittagsschlaf gemacht, und waren dann vollkommen ausgeschlafen um 4 Uhr wieder auf dem Platz um noch die letzten Sachen zu organisieren. Stück für Stück trudeln dann die 17 anderen Deutschen ein und die Weihnachtsmarkt Stimmung kommt so langsam in Schwung!

 

Um 7 Uhr sollte das ganze eigentlich anfangen, aber natürlich, wie soll es auch sonst sein, funktioniert der Strom nicht, was aber auch verständlich ist, dass man nicht 7 Induktionsplatten und 10 Lichterketten und die ganzen Musikanlagen von einer Steckdose laufen lassen kann…. Das hätten wir vielleicht mal vorher ausprobieren sollen. Aber spontan wie die Chinesen doch sind, sind sie dann nach drinnen gegangen, und haben das fertige Essen dann einfach nach draussen getragen! Am Ende des Marktes waren wir Essensmäßig mehr oder weniger ausverkauft! Genial! Die Mutzen waren aus meiner Sicht am beliebtesten, was natürlich daran liegen könnte, dass die Erdnüsse etwas verbrannt waren… Aber was solls 😀 Auch die wurden alle verkauft!!

Wie verbringt man die Zeit auf einem Weihnachtsmarkt, wenn man für alles so ein bisschen Verantwortlich ist? Ich bin ständig von einem zum anderen Stand geschwebt, habe Lob und Aufmunterung ausgesprochen, Fotos gemacht von strahlenden Chinesen, die ihre Geschenke ausgepackt haben, mich mit verschiedensten Menschen unterhalten, immer (sofern Möglich) ein Lächeln auf den Lippen von mir Fotos machen lassen, für den Austausch Fotos machen zu dürfen.

Die Wichtelaktion war definitiv die größte Attraktion… stellt euch vor ich habe ein Spielzeugauto bekommen! 😀 Nicht jeder war immer zu 100% glücklich mit seinem Geschenk, aber das Gefühl vom Geschenke aufmachen und sich weihnachtlich geliebt fühlen hing mehr als präsent in der Luft!

Auch das Krippenspiel und der Chor wurde fasziniert beobachtet, es wäre kein wirklicher Weihnachtsmarkt gewesen ohne die unglaublich süße Vorführung!

Nach den 2 Stunden, waren wir dann alle geschafft und glücklich, zum Glück ging der Abbau noch viel schneller als der Aufbau!

Den Abend haben wir dann mit einer deutschen Wichtelrunde in unserer Wohnung verbracht. Um kurzerhand von unserer Chinesisch Lehrerin mit einem wunderschönem Feuerwerk überrascht zu werden!

Weihnachten… im Auslandsjahr oft bekannt als das Tief, haben wir hier so beschäftigt und liebevoll miteinander verbracht, dass dafür gar keine Zeit war!

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Für eine andere Perspektive auf den Weihnachtsmarkt schaut doch mal bei Sascha vorbei: http://www.sascha-geht-weltwaerts.de/bericht-e-von-hier/

Weihnachtsmarkt in der Pu’er Uni

Während wir fleissig jeden Tag unseren Adventskalender öffnen, Kerzen brennen, Kekse backen und Weihnachtsmusik hören, ist auch hier Weihnachtszeit nicht nur eine schöne Zeit voller Vorfreude sondern auch eine stressige und arbeitsreiche Zeit!

Wir planen schon seit einer Weile einen Weihnachtsmarkt für unsere Universität!

Das ganze findet am 24. Dezember von 19 bis 21 Uhr statt, und besteht aus unterschiedlichsten Ständen:

– Zuckerwatte
– geröstete Erdnüsse
– Mutzen
– Weihnachtskekse, die vom weihnachtsmann ausgeteilt werden
– Weihnachtsmann Mal Challenge
– Rieeeesen Wichteln
– Wunschliste Schreiben
– kleine Origami Sterne basteln
– Photo Box mit Weihnachtsmann Kostüm
– Apfelpunsch
Und ein Paar shows:
-Weihnachtschor
– Krippenspiel

 

Zuerst etwas zu der Wichtelaktion:

Letzten Mittwoch hatte man die Chance ein Geschenk abzugeben, unsere Uni besteht aus ca. 10.000 Schülern und ein paar Lehrern, jetzt ratet mal wie viele Geschenke abgegeben wurden?!

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Was gibt es denn noch so zu erzählen von unserer Weihnachtsaktion?

Letzte Woche haben wir mit ein Paar Studenten bei uns zuhause geprobt, wie man die ganzen Essenssachen herstellt! Aber da hab ich leider vergessen Bilder zu machen…

Morgen ist ein Riesen Probentag! Dann gibt es nochmal ein Update…

 

Weihnachtsstimmung pur!

Heute, der 1. Dezember, die Weihnachtszeit beginnt. Ich habe fast den Eindruck, dass wenn man in einem Land ist, in dem die eigenen Feiertage nicht gefeiert werden, dass man diese dann noch ausgeprägter feiert!

Die letze Woche war ich in Zhenyuan, ein anderer Ort, in dem zwei Freiwillige unterrichten. Die beiden waren auf einem Trip nach Liuku um sich dort um das ‘Slumkidsprojekt’ zu kümmern.*Das ganze solltet ihr euch umbedingt mal angucken! – Mehr Infos kommen in kürze*
Zhenyuan ist ein ziemlich kleiner Ort, durch den man mal eben schnell durch spazieren kann. Es verlaufen zwei schöne braune Flüsse durch das Dorf und ein sehr grüner Park!
Dreieinhalb Tage habe ich dort insgesamt 17 Stunden unterrichtet, und das über 700 unterschiedlichste Schüler. Es ist faszinierend wie unterschiedlich das Niveau der Schüler und der Klassen ist! Manche können sich fast gut mit einem unterhalten, andere sind davon überfordert einem zu sagen wie es einem geht! Manche Gesichter bleiben einem dann wirklich in Erinnerung, besonders wenn die kleinen (zwischen 14 und 17 Jahre alt) vor einem stehen und fragen: Warum gehst du denn wieder? Magst du es hier etwa nicht? 🙁 In solchen Situationen kann ich es dann wirklich verstehen dass Personen es lieben zu unterrichten!

Während ich also nicht unterrichtet, oder Lieder beigebracht habe, spazieren gegangen bin oder gekocht habe, habe ich Weihnachtssterne gebastelt. Somit ist Sofie’s und Nele’s Wohnung jetzt etwas weihnachtlich und auch unsere Wohnung strahlt vor lauter Weihnachtsstimmung!

Wir haben einen Sockenadventskalender, einen Adventskranz, zwei Sterne, Lichterketten Tannenzapfen, Papiermistlezweigblätter (keine Zweige, sonst müsste man sich ja ständig küssen), Lebkuchenwunderkiste (mit strengem Verschluss), ganz viele Bilder, dadurch ist es nicht mehr so weiß und Zimtgeruch überall!!!

Weihnachtlichste Grüße eure Lea

Chinesisches Halloween °o°

Baumhaus – Das ist unser Projekt mit dem wir hier sind, zeichnet sich besonders dadurch aus, dass wir eben nicht nur unterrichten sondern auch Projekte umsetzten können, sollen und tun.

Einer der lustigsten und einfachsten Projekte sind die unter uns so genannten Thementage. Da nun jetzt mittlerweile schon vor einigen Tagen Halloween war, bot sich das schön als ein solches Projekt an!

Was haben wir nun gemacht ?

Wir haben alle zusammen einen Tanz eingeübt zu dem Lied Thriller von Michael Jackson, uns verkleidet und und liebevoll Süßigkeiten verteilt. Die Schüler waren unglaublich begeistert, haben uns überrannt und haben hunderte von Bildern mit uns gemacht. Wir haben viele Unterschriften verteilt, Umarmungen erhalten und ganz schön viele mal eben so erschrocken!

Das ganze haben wir an 4 Schulen gemacht und alle waren äußerst unterschiedlich… Schon faszinierend wie unterschiedlich die Schüler so sind.

Bald wird es hoffentlich auch ein reportage mäßiges Video darüber geben, bis dahin müsst ihr euch mit diesem kleinen und undetaillierten Bericht von mir abgeben…

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老达保 – oder die chinesische Spontanität!

 

Habe ich schon einmal erwähnt das Chinesen (wir nutzen hier mal das Stereotyp, es gibt natürlich auch ausnahmen, China ist schliesslich groß) unglaublich spontan sein könnlen. Nicht nur das, sie erwarten auch, dass man alles stehen und liegen lassen kann und immer spontan Zeit für sie hat. Somit hier eine Anekdote dazu:

Samstag Abend, ca 19 Uhr klingeln unsere Handys, eine unserer Lehrerinnen informiert uns von einem Trip nach Lancang. Dieser sei von der Regierung organisiert und wir wäre von Sonntag bis Dienstag unterwegs. Lustigerweise wussten wir schon von dem Trip, da zwei Freiwillige aus der Yizhong schon vor einigen Tagen dazu eingeladen wurden, und die auch behauptet haben wir sollten mitkommen. Vielleicht war es also auch gar nicht chinesische Spontanität sondern unsere Naivität, dass wir einem Lehrer der Yizhong nicht geglaubt haben, dass wir auch betroffen sind…

Wie auch immer am nächsten morgen so gegen 6 Uhr klingelt unser Wecker, wir schlafwandeln zu einem Taxi und fahren zu einem Edelhotel, wo wir dann bald abgeholt werden sollen. Eine Dreiviertelstunde nach vereinbarter Uhrzeit wurden wir dann tatsächlich von einem Studenten abgeholt, der uns auf dem Trip als Dolmetscher dienen sollte. “Hast du schon gegessen?” Dient hier in China nicht nur als ständige Begrüßung sondern wird manchmal auch ernst gemeint. – Wir sind also erstmal im Hotel Frühstücken gegangen: Möhrenbrot, Caffe, Müsli aber auch Nudelsuppe und gebratener Reis haben uns mehr als glücklich gemacht! Anschliessend sind wir in einen Kleinbus mit 11 Plätzen gestiegen, begleitet von einem Kamerateam, einem Fahrer und unserem Studenten. Mit der Zeit stellt sich dann auch raus, dass wir dort hin fahren um einen Werbefilm zu drehen (ich werde berichten sobald er auf Facebook veröffentlicht ist). Der ungefähre Plot: Wir 5 Ausländer laufen durch ein wunderschönes Dorf und sind total begeistert… Aber vorher halten wir in Lancang um Mittag zu essen (ist ja nicht so als hätten wir nicht vor 3 Stunden uns den Bauch vollgestopft im Hotel…). Etwas irritiert sind wir dann als wir nochmal ins Auto steigen und noch eine gute Stunde weiter fahren – wie war das mit wir fahren nach Lancang? Naja, es ging nach Laodabao, was deutlich hübscher ist als Lancang!! Das Dorf Laodabao ist bevölkert von einer Minderheit namens: Lahu, diese wurden vor keine Ahnung wie langer Zeit von westlichen Missionaren zum Christentum und zum Gitarrenspielen gebracht. Das letztere macht dieses Dorf ziemlich bekannt und prägt ein jedes Kind – man sagt jeder kann dort Gitarre spielen und tanzen!

Dort angekommen ist unser erster Gedanke: Endlich können wir mal mit einem kalten Wasserkübel duschen und nur auf dem Boden mit ein bisschen Stroh schlafen – So wie man sich einen Freiwilligendienst in einem Entwicklungsland doch vorstellt! Pustekuchen! Das folgende Bild sagt glaube ich alles zu unserem höchst romantisch liebevollen Hotelzimmern:

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Warum wir so einen primitiven, einfachen Eindruck von dem Dorf hatten lässt sich vielleicht so beschreiben:
Ein jedes Haus besteht allein aus Holz und Holzstelzen. Fensterscheiben gibt es nicht (ausser in unserem Hotel) und überall laufen kleine Kinder barfuß rum, alte Frauen tragen irgendwas in Körben auf dem Rücken rum, Hühner dackeln durch die Gegend mit ihren Küken, und Hunde schwenzeln um einen rum, von überall riecht und hört man Kühe und Schweine, Wege bestehen aus Schotter, also eigentlich traumhaft schön, aber wirklich nicht ein Ort wo man so etwas abgefahrenes wie WLAN oder eine westliche Toilette oder warme Duschen erwartet!

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Zum Glück war noch einiges vom Tag über und wir hatten nach einer kurzen Tee Pause die Chance durch das Dorf zu laufen. Kennt ihr das Stereotyp “Chinesen gucken praktisch nur durch ihre Kamera beim reisen?” Es ist wirklich teilweise so. Ich habe mich mit meiner Kamera natürlich super angepasst, dementsprechend gibt es auch nicht nur chinesische posierte Bilder sondern auch Landschafts Bilder, die die Chinesen glaube ich nur halb so viel interessieren. Ab und an konnte man doch die ein oder andere Sache ohne Kamera fasziniert betrachten. Ich fand es am schönsten zu beobachten wie die Menschen dort leben, die Kinder spielen und die wunderschönen Häuschen von innen aussehen! Und natürlich die Hunde zu geniessen!

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Ich finde diese Bilder sagen schon mehr als alles, das ich bisher geschrieben habe! Hier noch ein paare mehr zu der Atemberaubenden Landschaft:

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Ich finde wenn man diese endlosen Landschaften an Grün sieht, dann kann man auch irgendwie nachvollziehen warum man hier nicht so sehr auf Naturschutz achtet wie in Deutschland – hier ist einfach so viel unberührte endlose Natur, dass es unvorstellbar ist, dass diese zerstört wird!

Nach einer weiteren Tee und Obst Pause nutzen wir die Chance an einem Gottesdienst teilzunehmen. Es ist tatsächlich sehr ähnlich zu einem westlich-christlichem Gottesdienst. Besonders aufgefallen ist mir, dass dort alle ihre Schuhe ausziehen, es von einer Frau geleitet wurde und das ganze sehr musikalisch geprägt ist. In diesem Dorf sprechen sie kein Chinesisch, sondern einen Dialekt dessen Schrift tatsächlich aus lateinischen Buchstaben besteht. Dementsprechend waren wir sehr gerührt, ein Lied mithilfe einem der wenigen Liederbücher einigermaßen mitsingen zu können. Selbst wenn man nur wenig verstehen konnte fand ich das ganze sehr (keine Ahnung jetzt fehlt mir das Wort). Aufjedenfall war es rührend, spirituell und faszinierend.

Das Abendessen war wie immer reichlich, köstlich, und wurde besonders für unseren einzigen Jungen mit viel Reisschnaps und natürlich auch einigen Showeinlagen begleitet.

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Am nächsten Tag sollte dann gedreht werden: Die Dreharbeiten für die fünf Szenen haben sich tatsächlich den ganzen Tag hingezogen, obwohl wir maximal drei Anläufe pro Szene brauchten. Die meiste Zeit haben wir damit verbracht rum zu sitzen und auf die nächste Szene zu warten, und haben es bereut kein Kartenspiel dabei zu haben. Unser Werbefilm bestand ja wie schon gesagt daraus, dass wir als Touris begeistert durch das Dorf laufen. Eine einheimische Studentin hat uns somit an gestellten Orten durch Laodabao geführt und wir waren begeistert von einem Touri Laden, einheimischen Taschen, traditionell gekleideten Frauen und vielem mehr… Zwischendurch haben wir etwas von deren Sprache gelernt: Hallo heißt zum Beispiel “Noda”.

Zum Dreh lässt sich noch sagen, dass ziemlich junge Crew mit sehr viel Enthusiasmus und Spaß an dem ganzen Projekt gearbeitet hat. Unsere tatsächliche und nicht nur gespielte Begeisterung hat natürlich auch etwas angesteckt!

Der Abend ist dann mit vielen Bildern, Reisschnaps, Essen, Show, Tanzen, Singen, und Freundschaften ausgeklungen…

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Am nächsten Tag ging es dann auch schon wieder zurück nach Hause, motiviert wie wir doch sind, gehen wir aber früh am morgen noch auf eine kleine Wanderung….

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Nun ein paar reflektierende Worte im Nachhinein:

Wir haben diesen ganzen Trip auf Kosten der Regierung gemacht, damit hier bald der Tourismus boomt. Yunnan wird eines Tages nicht mehr so sein wie wir es lieben sondern reich durch Touris und die damit verbundene Wirtschaft. Jetzt fragt man sich natürlich inwieweit das gut oder schlecht ist, ob es Traditionen zerstört oder pflegt auf eine andere Art und Weise, weil sie präsentiert werden sollen. Was wäre Yunnan wenn nicht viele Touristen hier her kommen, und was wird aus der ganzen schönen Natur und wirklichen Einfachheit der  Dörfer hier?

Ein kleiner Trip nach Mohei

Vor einigen Tagen bat uns unser Dekan vom Foreign Affairs Appartement in sein Büro zu einem Gespräch – unser erster Gedanke: Ach du scheisse, was haben wir denn jetzt falsch gemacht. Aber im Gegenteil, er erzählte uns von einer Schule in einem Dorf Namens Mohei, der Direktor dieser Schule hat uns zum unterrichten eingeladen. Da kann unser großes Lehrer und Reise Herz doch gar nicht anders als begeistert ja sagen! Letzten Sonntag Nachmittag haben wir uns also auf den Weg gemacht, ca 2 Stunden fährt man durch majestätische, riesige, grüne, endlose Berge, allein für die Autofahrt durch diese unvorstellbare Landschaft lohnt es sich dort hin zu fahren! 

Das Dorf besteht aus 10.000 Menschen, wovon aber nur viel viel weniger wirklich im Ort selber wohnen. Man kann innerhalb von 5 min Fußmarsch durch den Hauptteil durchlaufen, und mal eben schnell mit dem Auto von der einen Seite zur anderes hüpfen… Es ist wirklich genau so wie man sich ein altes kleines Chinesisches Dörfchen vorstellt: Die Straßen Gebäude sind ein oder zwei stöckig, vieles ist aus Holz und mit diesen typischen chinesischen Dächern, viele kleine Kanten und Ecken und tausende Spinnen weben (auch wenn die vielleicht nicht so typisch sind, gehören die schon irgendwie dazu). 

Im Dorf gibt es nur eine Grundschule und eine Mittelschule (davon gibt es in Pu’er sogar 6 Stück), von dieser wurden wir eingeladen zum Unterrichten. Wie stellt man sich solch eine Dorf Schule vor? Insgesamt gibt es 351 Schüler, 7,8,9 Klasse, in einer Klasse sind 25-35 Schüler und keiner trägt eine Schuluniform. Im Vergleich Pu’er: Eine Schule besteht aus ca. 2000 Schülern, eine Klasse hat 80 Schüler und alle tragen eine Uniform! 

Die Lehrer in dieser Schule sind unglaublich liebevoll, die Art und Weise, wie sie mit den Schülern umgehen ähnelt eher der Beziehung eines liebevollen Erziehers als die eines distanzierten Lehrers. Dort ist Lehrer sein kein Beruf, sondern ein Leben. Privatsphäre, bzw. alleine sein hat man da höchstens bei sich zu Hause auf dem Klo… 

Auch zu uns waren die Lehrer super süß, und wir waren sofort in die Clique integriert… Nach einem großen Abendessen, und einer kurzen Pause in der Schule durften wir dann mal eben so, spontan jeder 2 Stunden unterrichten. Das ist wirklich etwas ganz anderes als Englisch Studenten zu unterrichten, ich glaub ich beschwere mich nie wieder über das Niveau unserer Studenten.

Nachts sind wir dann nochmal mit allen Englisch Lehrerinnen und dem Englischlehrer essen gegangen (shaokao). Wie viel man noch essen kann wenn man eigentlich schon satt ist, ist echt faszinierend! Ich glaub am besten fand ich die leicht angekochten oder frischen (ich bin mir nicht sicher) Tomaten, die man in Zucker tunkt. Das klingt vielleicht echt komisch, aber es schmeckt verdammt gut! @meinen Bruder: Das ganze funktioniert ausserdem auch super mit Gurken! 

Irgendwann durften wir dann in unserem Hotelzimmer (das ziemlich edel war) in die Betten fallen, und waren alle froh über Ruhe, gemütliche Betten und Schlaf! 

Für den nächsten Tag – Montag – wurde extra ein Stundenplan angefertigt. Für jeden gab es 4x 40 min Unterricht zu unterrichten, verteilt von 8 Uhr morgens bis 5 Uhr nachmittags. Selbstverständlich gab es eine große Nudelsuppe zum Frühstück und ein riesigen Mittagessen! 

Ich habe gemerkt das ich mit jeder Unterrichtsstunde sicherer und bestimmter geworden bin, und mein spaß am Unterrichten gewachsen ist! Es ist total schön zu sehen, mit wie kleinen Sachen man 30 Teenager mal eben schnell zum lernen, spaß haben und lachen bringen kann! Sascha, Nele und ich haben jeder Klasse “Head-Shoulders-Knees-and-Toes” beigebracht und noch vieles mehr… Nach dem Unterricht hatten wir dann die Chance mit allen Schülern aus der 9. Stufe (ca 100) auf dem Schulhof Spiele zu spielen. Als erstes haben wir dann (Lernerfolgüberprüfung – oder doch einfach nur spaß) mit allen gemeinsam “Head-Shoulders-Knees-and-Toes” gesungen und getanzt! Das war echt unglaublich zu erleben! Anschliessend haben wir so etwas wie Brückenticken (eine Art von Fangen spielen, für die unwissenden wie mich) gespielt, und ihnen Plumssack beigebracht! Danach waren die Schüler vollkommen begeistert, und wollten natürlich noch tausend Bilder haben, während wir nur vollkommen fertig waren – so viel Sport hatte ich schon lang nicht mehr, die Lehrer waren alle einfach nur total begeistert! 

Ratet mal was wir dann gemacht haben? Genau wir sind Essen gegangen…. ist ja nicht so als wäre ich nicht schon satt! Und jetzt ratet noch, was sie uns mit nach Hause gegeben haben? Ja genau: Essen, von dem wir 3 Tage später immer noch essen. 

Die Gastfreundschaft von Chinesen generell und besonders die derer die in abgelegeneren Orten wohnen ist wirklich gigantisch. Vielleicht können wir deutschen uns da mal eine Scheibe abschneiden. 

Insgesamt bin ich einfach nur begeistert von, der Landschaft, den Menschen, der Schule, den Lehrern, den kleinen Klassen, dem Essen, der Mentalität und dem ganzen Dorf Mohei. Ich bin sicher, wenn wir Zeit haben werden wir dort sicherlich noch einmal vorbei schauen! 

Unterricht….

Unser Tag des Unterrichtens…

Wir haben zuerst NewYork wiederholt, eine “How are you?” Runde gemacht und dann ein weiterführendes Thema zur letzten Stunde gemacht in Forme eines Spieles: Verschiedene Schüler im Raum sind verschiedene Gegenstände, einer muss mit verbundenen Augen versuchen diese Sachen ‘einzukaufen’ indem ein anderer denjenigen mit der Stimme führt. Ich glaube in dieser Stunde haben sie endlich kapiert das man left and right vielleicht deutlich aussprechen sollte und besser mal nicht verwechselt!! Es war eine sehr sehr lustige Angelegenheit!
Am 3. Oktober ist in Deutschland Nationalfeiertag. Wusstet ihr, dass ein typisch Deutscher an diesem Tag sich Reden anhört, Essen geht, vor dem Reichstag feiern geht und auf Konzerte geht? So stand es im Internet… Das ganze haben wir anhand einer Präsentation mit dem Chinesischen Nationalfeiertag verglichen. Bei dem hat man wenigstens eine ganze Woche frei und er ist am 1. Oktober. Viele der Studenten fahren in ihre Heimatstädte, gucken Parade, Feuerwerk, suchen sich Ferienjobs und manche haben sogar zugegeben dass sie nur schlafen und chillen wollen… Es war sehr spannend zu erleben wie die ihre Ferien so verbringen wollen!

Gerade ist es hier 17:22, Sascha und ich sitzen im Wohnzimmer, bereiten Unterricht vor und essen Somnenblumenkerne, und lernen Vokabeln….