老达保 – oder die chinesische Spontanität!

 

Habe ich schon einmal erwähnt das Chinesen (wir nutzen hier mal das Stereotyp, es gibt natürlich auch ausnahmen, China ist schliesslich groß) unglaublich spontan sein könnlen. Nicht nur das, sie erwarten auch, dass man alles stehen und liegen lassen kann und immer spontan Zeit für sie hat. Somit hier eine Anekdote dazu:

Samstag Abend, ca 19 Uhr klingeln unsere Handys, eine unserer Lehrerinnen informiert uns von einem Trip nach Lancang. Dieser sei von der Regierung organisiert und wir wäre von Sonntag bis Dienstag unterwegs. Lustigerweise wussten wir schon von dem Trip, da zwei Freiwillige aus der Yizhong schon vor einigen Tagen dazu eingeladen wurden, und die auch behauptet haben wir sollten mitkommen. Vielleicht war es also auch gar nicht chinesische Spontanität sondern unsere Naivität, dass wir einem Lehrer der Yizhong nicht geglaubt haben, dass wir auch betroffen sind…

Wie auch immer am nächsten morgen so gegen 6 Uhr klingelt unser Wecker, wir schlafwandeln zu einem Taxi und fahren zu einem Edelhotel, wo wir dann bald abgeholt werden sollen. Eine Dreiviertelstunde nach vereinbarter Uhrzeit wurden wir dann tatsächlich von einem Studenten abgeholt, der uns auf dem Trip als Dolmetscher dienen sollte. “Hast du schon gegessen?” Dient hier in China nicht nur als ständige Begrüßung sondern wird manchmal auch ernst gemeint. – Wir sind also erstmal im Hotel Frühstücken gegangen: Möhrenbrot, Caffe, Müsli aber auch Nudelsuppe und gebratener Reis haben uns mehr als glücklich gemacht! Anschliessend sind wir in einen Kleinbus mit 11 Plätzen gestiegen, begleitet von einem Kamerateam, einem Fahrer und unserem Studenten. Mit der Zeit stellt sich dann auch raus, dass wir dort hin fahren um einen Werbefilm zu drehen (ich werde berichten sobald er auf Facebook veröffentlicht ist). Der ungefähre Plot: Wir 5 Ausländer laufen durch ein wunderschönes Dorf und sind total begeistert… Aber vorher halten wir in Lancang um Mittag zu essen (ist ja nicht so als hätten wir nicht vor 3 Stunden uns den Bauch vollgestopft im Hotel…). Etwas irritiert sind wir dann als wir nochmal ins Auto steigen und noch eine gute Stunde weiter fahren – wie war das mit wir fahren nach Lancang? Naja, es ging nach Laodabao, was deutlich hübscher ist als Lancang!! Das Dorf Laodabao ist bevölkert von einer Minderheit namens: Lahu, diese wurden vor keine Ahnung wie langer Zeit von westlichen Missionaren zum Christentum und zum Gitarrenspielen gebracht. Das letztere macht dieses Dorf ziemlich bekannt und prägt ein jedes Kind – man sagt jeder kann dort Gitarre spielen und tanzen!

Dort angekommen ist unser erster Gedanke: Endlich können wir mal mit einem kalten Wasserkübel duschen und nur auf dem Boden mit ein bisschen Stroh schlafen – So wie man sich einen Freiwilligendienst in einem Entwicklungsland doch vorstellt! Pustekuchen! Das folgende Bild sagt glaube ich alles zu unserem höchst romantisch liebevollen Hotelzimmern:

dsc_0616

Warum wir so einen primitiven, einfachen Eindruck von dem Dorf hatten lässt sich vielleicht so beschreiben:
Ein jedes Haus besteht allein aus Holz und Holzstelzen. Fensterscheiben gibt es nicht (ausser in unserem Hotel) und überall laufen kleine Kinder barfuß rum, alte Frauen tragen irgendwas in Körben auf dem Rücken rum, Hühner dackeln durch die Gegend mit ihren Küken, und Hunde schwenzeln um einen rum, von überall riecht und hört man Kühe und Schweine, Wege bestehen aus Schotter, also eigentlich traumhaft schön, aber wirklich nicht ein Ort wo man so etwas abgefahrenes wie WLAN oder eine westliche Toilette oder warme Duschen erwartet!

dsc_0633dsc_0629dsc_0618dsc_0682

Zum Glück war noch einiges vom Tag über und wir hatten nach einer kurzen Tee Pause die Chance durch das Dorf zu laufen. Kennt ihr das Stereotyp “Chinesen gucken praktisch nur durch ihre Kamera beim reisen?” Es ist wirklich teilweise so. Ich habe mich mit meiner Kamera natürlich super angepasst, dementsprechend gibt es auch nicht nur chinesische posierte Bilder sondern auch Landschafts Bilder, die die Chinesen glaube ich nur halb so viel interessieren. Ab und an konnte man doch die ein oder andere Sache ohne Kamera fasziniert betrachten. Ich fand es am schönsten zu beobachten wie die Menschen dort leben, die Kinder spielen und die wunderschönen Häuschen von innen aussehen! Und natürlich die Hunde zu geniessen!

dsc_0632dsc_0643dsc_0662dsc_0664dsc_0670dsc_0674dsc_0675dsc_0684dsc_0688dsc_0694dsc_0699dsc_0655

Ich finde diese Bilder sagen schon mehr als alles, das ich bisher geschrieben habe! Hier noch ein paare mehr zu der Atemberaubenden Landschaft:

dsc_0697dsc_0705dsc_0711dsc_0728dsc_0759dsc_0762dsc_0768dsc_0623

 

Ich finde wenn man diese endlosen Landschaften an Grün sieht, dann kann man auch irgendwie nachvollziehen warum man hier nicht so sehr auf Naturschutz achtet wie in Deutschland – hier ist einfach so viel unberührte endlose Natur, dass es unvorstellbar ist, dass diese zerstört wird!

Nach einer weiteren Tee und Obst Pause nutzen wir die Chance an einem Gottesdienst teilzunehmen. Es ist tatsächlich sehr ähnlich zu einem westlich-christlichem Gottesdienst. Besonders aufgefallen ist mir, dass dort alle ihre Schuhe ausziehen, es von einer Frau geleitet wurde und das ganze sehr musikalisch geprägt ist. In diesem Dorf sprechen sie kein Chinesisch, sondern einen Dialekt dessen Schrift tatsächlich aus lateinischen Buchstaben besteht. Dementsprechend waren wir sehr gerührt, ein Lied mithilfe einem der wenigen Liederbücher einigermaßen mitsingen zu können. Selbst wenn man nur wenig verstehen konnte fand ich das ganze sehr (keine Ahnung jetzt fehlt mir das Wort). Aufjedenfall war es rührend, spirituell und faszinierend.

Das Abendessen war wie immer reichlich, köstlich, und wurde besonders für unseren einzigen Jungen mit viel Reisschnaps und natürlich auch einigen Showeinlagen begleitet.

dsc_0782dsc_0786dsc_0786dsc_0797

 

 

Am nächsten Tag sollte dann gedreht werden: Die Dreharbeiten für die fünf Szenen haben sich tatsächlich den ganzen Tag hingezogen, obwohl wir maximal drei Anläufe pro Szene brauchten. Die meiste Zeit haben wir damit verbracht rum zu sitzen und auf die nächste Szene zu warten, und haben es bereut kein Kartenspiel dabei zu haben. Unser Werbefilm bestand ja wie schon gesagt daraus, dass wir als Touris begeistert durch das Dorf laufen. Eine einheimische Studentin hat uns somit an gestellten Orten durch Laodabao geführt und wir waren begeistert von einem Touri Laden, einheimischen Taschen, traditionell gekleideten Frauen und vielem mehr… Zwischendurch haben wir etwas von deren Sprache gelernt: Hallo heißt zum Beispiel “Noda”.

Zum Dreh lässt sich noch sagen, dass ziemlich junge Crew mit sehr viel Enthusiasmus und Spaß an dem ganzen Projekt gearbeitet hat. Unsere tatsächliche und nicht nur gespielte Begeisterung hat natürlich auch etwas angesteckt!

Der Abend ist dann mit vielen Bildern, Reisschnaps, Essen, Show, Tanzen, Singen, und Freundschaften ausgeklungen…

dsc_0802dsc_0804dsc_0806dsc_0807dsc_0812dsc_0856dsc_0889dsc_0891dsc_0909dsc_0927

Am nächsten Tag ging es dann auch schon wieder zurück nach Hause, motiviert wie wir doch sind, gehen wir aber früh am morgen noch auf eine kleine Wanderung….

dsc_0941dsc_0942dsc_0952dsc_0955dsc_0959dsc_0968dsc_0969dsc_0970

Nun ein paar reflektierende Worte im Nachhinein:

Wir haben diesen ganzen Trip auf Kosten der Regierung gemacht, damit hier bald der Tourismus boomt. Yunnan wird eines Tages nicht mehr so sein wie wir es lieben sondern reich durch Touris und die damit verbundene Wirtschaft. Jetzt fragt man sich natürlich inwieweit das gut oder schlecht ist, ob es Traditionen zerstört oder pflegt auf eine andere Art und Weise, weil sie präsentiert werden sollen. Was wäre Yunnan wenn nicht viele Touristen hier her kommen, und was wird aus der ganzen schönen Natur und wirklichen Einfachheit der  Dörfer hier?

One thought on “老达保 – oder die chinesische Spontanität!

  1. Hallo Lea, geliebtes Reisetrödel!

    Vielen Dank für Deinen sehr ausführlichen Reisebericht. Es ist schon faszinierend, wie schön die Landschaft da ist.

    Nach längerer Zeit haben wir uns mal wieder alle zusammen hingesetzt, um Dein Blog zu lesen. Hier ist gerade der Morgen nach dem großen Gänseessen und wir sitzen satt und müde alle auf der Couch vor dem Kamin und genießen Deinen Reisebericht und Deine Fotos. Nur Arne hat uns im Stich gelassen und schläft bei einem Freund.

    Das kleine Dorf, wo Du warst, ist sehr schön. Laura fand es faszinierend, wieviel Bambus da benutzt wird zum bauen. Michaela und ich finden, das das Dorf ein kleines bisschen so aussieht, wie das kleine chinesische Dorf, in dem wir vor zwei Jahren mal waren. Dort wurden auch die Touristen durchgeschleust und es gab eine kleine Vorführung von traditionellen Kleidern und den berühmten langen Haaren der Frauen dort. Ich hatte aber seinerzeit den Eindruck, das wir die Kultur dort nicht störten, sondern den eher armen Menschen dort eine willkommene Gelegenheit haben, etwas dazu zu verdienen.

    Bei all der Esserei und ständigen Nudelsuppe machen wir uns langsam Sorgen, das Du nach einem Jahr nicht mehr in den Flieger passt und wir kommen müssen, um Dich dann auf dem Landweg nach Hause zu rollen. 🙂

    Es war bestimmt sehr schön, zu sehen, wie dort alle musizieren. Es sieht auf den ersten Blick etwas befremdlich aus, die Chinesen da mit einer westlich aussehenden Gitarre zu sehen. Wir haben gesehen, das Du auch fleißig mitgetrommelt hast. Oder war das nur für den Werbefilm? 😉

    Wir sind sehr gespannt, den Werbefilm zu sehen, dessen Hauptdarstellerin Du bist. Bitte schicke uns den Link! 🙂

    Viele liebe deutsche Grüße!

    Anja, Michaela, Laura, Thomas und Julia

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *